Super-8-Film zeigt den alten Nürburgring im Internet

Nürburgring - Beim Anblick des Videos im Internet kann man sie förmlich riechen: die Mischung aus frischer Eifelluft und verbranntem Benzin, das aus Rennsportklassikern wie dem Jaguar D-Type, einem Porsche 356, einem Maserati DBR1 oder dem Mercedes 300SL strömt.

Ein ins Internet gestellter Super-8-Film zeigt das Flair des alten Nürburgrings: Beim Le-Mans-Start müssen die Rennfahrer zunächst zu ihren Fahrzeugen laufen. 1957 machte Willi Weber (im Bild rechts etliche Jahre später beim Einsteigen ins Renntaxi) diese Aufnahmen.

Hobbyfilmer Willi Weber hat 1957 viele Impressionen vom ADAC-1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring mit seiner Super-8-Kamera festgehalten – sein Sohn Werner Ring hat sie digitalisieren lassen und jetzt ins Internet gestellt.

Zwölf höchst faszinierende Minuten aus längst vergangenen Zeiten des Motorsports – und des Nürburgrings – sind seit Kurzem auf der Seite www.race-photos-online.de (unter dem Menüpunkt „News“) zu sehen. Aufnahmen vom Le-Mans-Start, vom für heutige Verhältnisse ruhigen Treiben in der Boxengasse oder vom kaum gesicherten Streckenrand sind im mit ruhiger Hand gedrehten Film genauso zu bewundern wie die laut Werner Ring einzig bekannten Szenen vom damaligen Unfall der Rennsportlegende Wolfgang Graf Berghe von Trips. Gekonnt zeigen sie den Geist des Nürburgrings vergangener Tage: Trotz der schon damals hohen Geschwindigkeiten ist am Rand der Strecke von Hektik meist keine Spur. Da machen es sich die Mechaniker auf Campingstühlen im Lastwagen gemütlich, ein Herr lässt seinen Dackel am Baum das Beinchen heben, ein paar Damen unterhalten sich angeregt – womöglich nicht über das Renngeschehen.

Obendrein gibt es auf Rings Internetseiten Tausende Fotos aus den 70er-Jahren, die nicht nur, aber besonders für Rennsportfans sehenswert sind. „Heute stehen die Fotografen dicht an dicht an der Rennstrecke, und es gibt unzählige Aufnahmen. Aber Bilder und Filme von damals sind Perlen der Nürburgring-Geschichte“, sagt Werner Ring stolz auf das Werk seines autobegeisterten Vaters.

Dass diese historischen Dokumente heute im weltweiten Netz für jedermann zu sehen sind, ist einem Zufall zu verdanken: „Im Sommer 2009 bat mich meine Mutter, den schweren Deckel einer Truhe anzuheben, um etwas darin zu verstauen. Dabei fielen mir Tausende Dias und Negative in die Hände – Aufnahmen, die mein 1988 verstorbener Vater Jahrzehnte zuvor gemacht und penibel katalogisiert hatte“, sagt Werner Ring. Mit sicherem Auge hielt Willi Weber seine Motive durch den optischen Sucher seiner Kameras fest.

Die Filmaufnahmen von 1957 entstanden mit einer Nizo Heliomatic, was Kennern die hohe Qualität der Aufnahmen erklärt. Zwischen 1969 und 1973 fotografierte Weber während vieler Motorsport-Veranstaltungen für die Nürburgring GmbH und die Automobilklubs ADAC und AvD – bis er nach einem Rennwochenende im alten Fahrerlager mit einer Kohlenmonoxidvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert wurde ...
Werner Ring, der wie sein Vater lange im Spielcasino Bad Neuenahr gearbeitet hat, beschloss, eigens eine Website zu entwerfen und diese Fotos in einer Web-Galerie allen Freunden des Motorsports zugänglich zu machen.

Ring: „Meine Mutter brachte mich zudem auf die Idee, Kontakt zu Rudolf Schoettel aufzunehmen, der jahrelang Objektiv an Objektiv mit meinem Vater auf der Jagd nach dem besten Foto entlang des Nürburgrings unterwegs war.“ Schoettel – selbst kein Freund des Internets – stellte weitere 3000 Fotos aus den goldenen Jahren des Nürburgrings zur Verfügung, die nun ebenfalls in der Internet-Galerie gezeigt werden.
Mehr als 40
000 Seitenaufrufe binnen eines Jahres und zahlreiche Einträge ins Gästebuch machen Werner Ring glücklich. „Denn es wäre doch schade, wenn das Archiv meines Vaters und auch das von Herrn Schoettel ungesehen verstauben würde.“